Zahn der Zeit nagt an Kirchenglocken (Glockenvielfal in Wismars Backsteinkirchen)
Mehrere der insgesamt zwölf Glocken im und am Wismarer Marienkirchturm müssen erneuert werden.
Wismar Der Zahn der Zeit nagt auch an den Kirchturm-Glocken im Marienkirchturm. Einige zeigen dort, wo die Klöppel anschlagen, Abnutzungserscheinungen, bei anderen fehlen nach einer „Reparatur“ im Jahr 1872 die Kronen. Durch das Umhängen von Glocken und neue Klöppel habe das Geläut an Klang verloren, Nebengeräusche seien zu hören. „Zudem hat man Schäden in der Vergangenheit nur notdürftig ausgebessert und dabei Material von älteren Glocken verwendet“, kritisiert Christian Schwarz von der Marien/Georgen-Gemeinde.
Der Pastor freut sich, dass es Mitstreiter gibt, die sich für die Restaurierung der Bronzeglocken einsetzen und Geld für Wartungsarbeiten sammeln. Einem konkreten Projekt widmet sich der Altstadtverein Wismar e. V. „Wir wollen im Rahmen des Unesco-Monitorings einen Beitrag leisten und uns um die Glocke VI kümmern“, so Vereinsvorsitzende Heidemarie Schult. Die bereits ausgebaute Glocke wurde im 14. Jahrhundert angefertigt und wiegt etwa 1200 Kilogramm. Ihre Krone ist gebrochen, ein größeres Teil fehlt. Wie Pastor Schwarz sagte, wird diese Glocke demnächst nach Herford gebracht und dort begutachtet. Ein süddeutsches Unternehmen werde dann eine neue Krone schweißen und die Herforder Firma eine neue Aufhängung anfertigen. „Danach kommt die Glocke wieder zurück“, so Christian Schwarz. Einen Termin kann der Pastor noch nicht nennen.
Die Finanzierung dieser Maßnahme, die Gesamtkosten sollen sich auf 13 500 Euro belaufen, sei so gut wie gesichert. Es stehen bislang etwa 8000 Euro an Spenden sowie 2000 Euro vom Förderkreis St. Georgen zur Verfügung.
Dem Altstadtverein, zu dem momentan 25 Mitglieder gehören, ist es auch wichtig, die Aufmerksamkeit auf die „Schätze über den Dächern von Wismar“ zu richten. Deshalb gab der Verein das Plakat „Glockenvielfalt in Wismars Backsteinkirchen“ heraus, auf dem Glocken aus sechs Jahrhunderten zu sehen sind, von der Marien-, der Nikolai-, der Georgen- und der Heiligen-Geist-Kirche. Die noch druckfrischen Poster sollen ab kommender Woche u. a. in den Kirchen erhältlich sein. Außerdem organisierte der Altstadtverein eine Besichtigung der Marienkirchturms und einen Diavortrag in der Neuen Kirche. Der Glockensachverständige des Landeskonservators und der Evangelischen Kirche von Westfalen, Claus Peter aus Hamm, sprach vor etwa 40 Zuhörern über die Glocken der Wismarer Stadtkirchen. Der 59-Jährige arbeitet seit mehreren Jahren mit den Pastoren der Hansestadt zusammen.
NORBERT WIATEREK für die Ostseezeitung am  Donnerstag, 02. Juni 2005
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