„Zusammenfassung der Baugeschichte von St. Marien 

Bau I:
Hallenkirche mit Westturmanlage, erbaut um 1260-70, Einfluss der Marienkirche in Lübeck bezüglich des Westturms mit Seitenkapellen, bezüglich der breiten Seitenschiffe des Lang- hauses von St. Jacob und Dionysius in Gadebusch. Die Breite des Langhauses betrug 36 Meter, die Höhe der Gewölbe etwa 16 Meter, die Länge des Schiffes und die Gestalt des Chores sind unbekannt. Erhalten blieben der Westturm und seine Seitenkapellen.
  (möglicher Grundriss von St. Marien als Hallenkirche vor 1320)

Bau II:                                          mahnender Finger gegen das Vergessen                                                                                           Glossar gotischer Begriffe
1. Bauabschnitt:
Abriss des Chores der Hallenkirche, Bau einer provisorischen Abschlusswand zum zunächst weiterbenutzten Hallenlanghaus.
Um 1320-1339 Errichtung des basilikalen Umgangschores mit Kapellenkranz nach dem Vorbild des Schweriner Domes undI der Klosterkirche in Bad Doberan. In den Einzelformen enge Verwandtschaft zum basilikalen Chor der Georgenkirche in Wismar und zur Kapelle St. Marien zur Weiden, die in derselben Zeit und vielleicht vom selben Baumeister erbaut worden sind.

2. Bauabschnitt:
Meister Johann Grote übernimmt 1339 die Bauleitung, findet den Chor bereits im Untergeschoss bis zu zwei Meter über dem Arkadengesims fertig und vollendet ihn bis zur Weihe 1353. Danach wird der Chor in Benutzung genommen und das alte Hallenlanghaus Zug um Zug abgetragen, das Backsteinmaterial für den Neubau des Langhauses als Basilika wiederverwandt. Für den Aufriss war die Marienkirche in Lübeck das Vorbild.

3. Bauabschnitt:
Nach dem Tod des 1366 zuletzt urkundlich erwähnten Johann Grote übernimmt ein anderer Meister - vielleicht Heinrich von Bremen - die Bauleitung, ändert das Profil der beiden letzten Pfeilerpaare vor dem Turm und vollendet das Langhaus um 1370/75.
(Grundriss von St. Marien nach der Weihe um 1370/75 ohne die späteren Einsatz- und Seitenkapellen)

4. Bauabschnitt:
Noch vor 1388 werden nachträglich zwischen die Strebepfeiler Einsatzkapellen angebaut, auf der Nordseite um 1388 die Nordhalle und vor 1390 die Sakristei, die Südvorhalle und die östlich daneben liegende Knochenhauerkapelle vor 1414. Vorbild dafür war St. Marien in Lübeck. Baumeister könnte ebenfalls Heinrich von Bremen gewesen sein.
(Grundriss von St. Marien am Ende des 19. Jahrhunderts mit allen Einsatz- und Seitenkapellen sowie Vorhallen)

5. Bauabschnitt:
Aufstockung des Westturms um drei Geschosse auf eine Höhe von 80 Meter.

                                                                                                                                        Glossar gotischer Begriffe
Nachmittelalterliche Veränderungen:
Im 15. oder frühen 16. Jahrhundert Zerstörung des steilen gotischen Pyramidenhelmes und Ersatz durch einen Dachreiter, der 1539 durch Blitzschlag zerstört wurde. Der Ersatz wurde 1661 vom Sturm heruntergeworfen, danach der heutige provisorische Abschluss. Im 18. Jahrhundert teilweise Vermauerung von Fenstern und Portalen. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts Bau eines Dachreiters über dem östlichen Ende des Langhausdaches.
In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1945 schwere Bombenschäden. 1960 Sprengung von Chor und Langhaus, Verarbeitung des Baumaterials zu Schotter.„
- weitere Maße von St. Marien -

(Zitiert aus „Bauten der Macht- Gebrannte Größe“ Monumente – Publikation der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, S. 65 f., Gottfried Kiesow, 2001) 

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