Der Kirchenraum wird wieder sichtbar; ein Platz verändert sich - Entwicklungen im Jahr 2004:    Weiter
mahnender Finger gegen das Vergessen
  "Hansekirchen im Ostseeraum"   (zit. aus Mecklenburgische & Pommersche Kirchenzeitung Nr. 15, 2003)
Nach einem gemeinsamen Gottesdienst versammelten sich die Vertreter norddeutscher Hansekirchen vor der Wismarer Nikolaikirche.
Foto und Text: Norbert Wiaterek

An der Stelle, wo sich das 1960 gesprengte Kirchenschiff von St. Marien befand, könnten in einigen Jahren viele Linden gen Himmel wachsen. “Die Bäume werden auf den Fundamenten nebeneinander gepflanzt und bilden so die Kontur der Wismarer Ratskirche ab”, stellte Pastor Christian Schwarz (51) von der St. Marien/St. Georgen-Gemeinde die Idee der Arbeitsgemeinschaft “Hansekirchen im Ostseeraum” vor. Etwa 20 Pastoren und Küster trafen sich jetzt zu einer dreitägigen Arbeitstagung in Wismar, um unter anderem über Möglichkeiten des Feierns von Gottesdiensten und über die Gestaltung von Kirchenräumen zu sprechen. Dabei diskutierten die “Hansepastoren” der Backsteinbasiliken in Lübeck, Bad Doberan, Lüneburg, Stralsund, Wolgast und Wismar auch wieder über die Gestaltung des St. Marienkirchplatzes.
Die Arbeitsgemeinschaft will mit Hilfe der Bäume deutlich machen, dass sich auf der derzeit als Parkplatz genutzten Fläche eine Kirche befand, deren Sprengung in erster Linie der Politik geschuldet war. St. Marien war nach dem Zweiten Weltkrieg nicht so stark wie St. Georgen beschädigt und musste dennoch weichen. Und die Gruppe möchte darauf hinweisen, dass die Autos eigentlich auf einem historischen Bestattungsort stehen. “Es ist bekannt, dass die Stadt knapp bei Kasse ist und es im Zentrum von Wismar zurzeit zu wenig Parkplätze gibt. Dennoch muss der Bereich vor dem Marienkirchturm anders genutzt werden, auf keinen Fall für das Abstellen von Pkw”, gab Pastor Schwarz die Meinung der Tagungsteilnehmer wieder. Diesen neuen Vorschlag - die Idee hatte Pastor Folker Thamm aus Lüneburg - wollte Christian Schwarz nicht als Eingriff in die Kommunalpolitik verstanden wissen, “aber es ist gewiss, dass dieses Thema, dieser Missstand, immer wieder auf der Tagesordnung stehen wird.”
Beim diesjährigen Treffen der “Hansepastoren” war übrigens Thomas Hirsch-Hüffell vom Gottesdienst-Institut Nordelbien zu Gast. Der Pastor aus Hamburg leitete die Ideenbörse zu liturgischen Fragen. So dachten die “Hansepastoren” beispielsweise über die Gestaltung von Gottesdiensten mit Hilfe von speziellen Prozessionen nach. Sie erhielten außerdem Gelegenheit, einen Blick in die Georgenkirche und auf die sanierungsbedürftigen Glocken im Marienkirchturm zu werfen.
Norbert Wiaterek

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