Dr. Karl-Reinhard Titzck am 30. Mai 2008
Buch über die Zerstörung von St. Marien in der Hansestadt Wismar erschienen
 

Zur Zerstörung der St. Marien Kirche in der Hansestadt Wismar ist ein Buch erschienen von Robert Scheunpflug, „Zur Herstellung von Leichtbauelementen geeignet…“, Der Abriss der Marienkirche Wismar im Kontext von Staat, Kirche und Denkmalpflege. Das Buch ist eine Magisterarbeit. Das Projekt wurde beim Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, Jörn Mothes, durchgeführt  und von der Gesellschaft für Regional- und Zeitgeschichte gefördert und herausgegeben.

Es ist höchste Zeit, dass dieses Buch erschienen ist. Es ist gut, dass nunmehr das Handeln der betroffenen Personen besser beurteilt werden kann. Vielleicht ist für manchen überraschend: Der Autor betont, dass kirchenfeindliche Motive der DDR nicht vorrangiger Grund für den Kirchenabriss war. Ferner hebt er die allgemeine geringe Wertschätzung alter Bausubstanzen hervor. Er weist weiter auf die Knappheit der Ressourcen hin und stellt die Heterogenität  staatlichen und kirchlichen Handels heraus. Schließlich betont Schwierigkeiten im Zusammenhang mit den Verhandlungen über die Geistlichen Hebungen, bei denen bis heute viele Fragen offen sind.

Robert Scheunpflug zieht ein interessantes Resümee: „Der Abriss der Marienkirche ist das Ergebnis einer komplizierten lokalpolitischen Konstellation, vor dem Hintergrund einer Zeit, die in Planungseuphorie und Wertschätzung von Moderne Erhalt des Alten wenig Stellenmaß beimaß.“

Bedauerlich, dass nicht auf das mutige Eintreten von Frau Professorin Henry eingegangen wird, die sich mit dem folgenden Telegramm  am 15.8.1960 an den Oberbürgermeister Wismars wandte: „Ich protestiere aufs schärfste gegen die Vernichtung der Marienkirche, die ein wertvolles Kulturdenkmal der deutschen Nation ist. Henry“. Konnte der Stadt dann aber der Wert von Marien verborgen geblieben sein?  Insoweit könnte eine weitere wissenschaftliche Aufarbeitung hilfreich sein.

Anstrengungen der Hansestadt Wismar unter der Leitung des im vergangenen Jahr verstorbenen Wolfgang Ferdinand und anderer Partner wie dem Förderverein Marien, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz oder der Wüstenrotstiftung sind zu begrüßen, das gesamte Areal um die Marienkirche zu gestalten. Ein erster ganz wichtiger Schritt erfolgte 2002 mit der Sanierung des Turmes der Kirche. Seit dieser Zeit wird dort eine Ausstellung gezeigt, die sich vor allem mit dem Bau der Kirche befasst. Sehr eindrucksvoll ist der 3 D Film „Bruno Backstein“, der die Entstehung von St. Marien erzählt.

Mit der Neugestaltung des Platzes um Marien und die Einfriedung und des Grundrisses der Kirche wird ein gutes Stück der Heilung der Wunden erreicht. Auf dem Grund von Marien werden keine Autos mehr stehen, sondern Menschen können dort „Ruhe“ finden. Nach Abschluss der Bauarbeiten in St. Georgen muss dann über die weitere Zukunft von Marien entschieden. Dann haben vor allem die Menschen in Wismar die Wahl.

Das Buch kann bei der Geschäftsstelle des Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Jägerweg 2, 19053 Schwerin, Tel.: 734006 gegen eine Schutzgebühr von 6 Euro bestellt werden.
 

Dr. Karl-Reinhard Titzck
 
 
 

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